Automation und Arbeit

Automation und Arbeit

Betrachtungen der aktuellen und zukünftigen Erwerbsarbeit in einer roboterisierten Welt.

Von Matthias Dilthey

Noch in den 60er und 70er Jahren vorigen Jahrhunderts wurde jede arbeitende Hand, und natürlich auch jeder arbeitende Kopf, benötigt, um die Menschen mit notwendigen und gewünschten Produkten und Dienstleistungen zu versorgen. Das inländische „Produktions-Resoviar“ an den damals notwendigen humanoiden Produktionsmittel (=Arbeitern) reichte nicht aus, um den deutschen und weltweiten Hunger nach „Made in Germany“-Produkten, Dienstleistungen und Wohlstand zu befriedigen.

Ohne Rücksicht auf sich bereits damals abzeichnende ethnische und kulturelle Konflikte wurden sogenannte „Gastarbeiter“ mit beträchtlichem Aufwand in´s Land geholt. Der am 08.02.2004 in Istanbul verstorbene  Cem Karaca z.B. hat  mit seinem Song „es wurden Arbeiter gerufen-doch es kamen Menschen an“ die Situation treffend thematisiert.
 
Während es bis vor wenigen Jahren noch möglich war, Erwerbsarbeit über eine wie auch immer geartete Leistungsmessung zu definieren und zu bewerten (Leistungsprämien, Arbeitsanforderungen, notwendige Ausbildung etc.), zeigt die heute zunehmende Automation immer stärker die Schwachpunkte und Fehler dieses auf Erwerbsarbeit ausgerichteten Systems auf.

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die sogenannten Rationalisierer brechen. Denn bereits in den 80er Jahren waren sich eine Vielzahl der Roboter-Entwickler darüber im Klaren, dass die Automation sehr viele Menschen in die Erwerbslosigkeit befördern werde. Die damals angesprochenen Politiker antworteten den verantwortungsvoll agierenden Automatisierern, dass es schon immer menschliche Zielsetzung sei, sich von Arbeit durch die Entwicklung von Werkzeugen und Maschinen zu entledigen. Die Politik werde Sorge dafür tragen, dass z.B. über Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich die Menschen durch die Automation nur gewinnen könnten.

Heute stellt sich den Automatisierern nicht mehr die Frage, welche Arbeit durch Roboter erledigt werden könnte. Die heutige Aufgabe der Ingenieure lautet vielmehr, wie sie die mit den Gewerkschaften ausgehandelten humanoiden Arbeiten in einen voll roboterisierten Produktionsprozess integrieren können.

Beispielsweise wurden in der Automobilproduktion immer mehr menschliche Schweißer durch Roboter ersetzt - bis zu menschenleeren Fabrikhallen -. Das wirft eine entscheidende Frage auf: Arbeitet jetzt ein Roboter an Stelle des Menschen?

Bejaht man diese Frage, hätte das weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsbegriff. Denn dann würde Arbeit zumindest in Teilbereichen über die Wertschöpfung oder über den Energieeinsatz, jedenfalls nicht mehr über den Menschen, definiert.

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