Nahles: Kein Mindestlohn für junge Menschen unter 18!

Nahles: Kein Mindestlohn für junge Menschen unter 18!

Andrea Nahles (Bundesarbeitsministerin, SPD) möchte Jugendliche bis zum
Ende der Schulpflicht von der Mindestlohn-Regelung ausnehmen. „Wir
müssen verhindern, dass junge Menschen lieber einen besser bezahlten
Aushilfsjob annehmen, statt eine Ausbildung anzufangen“, sagte Nahles
anlässlich eines Interviews mit „Bild am Sonntag“.

Einmal davon abgesehen, dass eine anständige, das Auskommen sichernde
Entlohnung ein Menschenrecht darstellt, über das es NICHTS zu
diskutieren gibt, erfindet Nahles ein Problem, das es gar nicht gibt.

Ausbildungsvergütungen lagen schon immer unterhalb der
Hilfsarbeiter-Tarife

Schon immer wurden Hilfsarbeiter, also Arbeitnehmer ohne
Berufsausbildung, besser bezahlt als Lehrlinge bzw. Auszubildende. Ohne
dass es zu einer übergroßen Zahl von Menschen ohne abgeschlossene
Berufsausbildung führte. Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht (Seite 292) zeigt, dass der prozentuale Anteil von jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung von 1996 bis 2010 über die Jahre hinweg nahezu konstant bei ca. 14 - 15% liegt.
Diese Zahl junger Erwachsener ohne Berufsausbildung sei laut dem
Bildungsreport 2013 der Bundesregierung hauptsächlich darauf zurück zu
führen, dass bei den Betroffenen eine mangelnde Deckungsgleichheit von
Wunschberuf und Ausbildungsangebot vorliege.

Warum Nahles nunmehr die Befürchtung hegt, ein Mindestlohn auch für
jugendliche unter 18 Jahren könne ein Abwandern junger Menschen in
Hilfsarbeiter-Tätigkeiten begründen, lässt tief blicken.


GROKO-Mindestlohn lediglich "Opium für´s Volk"?

Nachdem die niedrigeren Ausbildungsvergütungen über Jahrzehnte hinweg zu
keiner übergroßen Abwanderung in die schon immer besser bezahlten
Hilfsarbeiter-Jobs geführt haben, ist es ein mögliches Ziel der
Bundesarbeitsministerin, den Mindestlohn als Regel-Entlohnung für
Facharbeiter zu etablieren. Ganz im Sinn von Gerhard Schröder, der
bekannter maßen stolz auf die gelungene Etablierung Deutschlands als
Niedriglohn-Land ist.

Denn die damit einhergehende Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung
würde Jugendliche zwingen, auf eine Ausbildung zu Gunsten des
materiellen Überlebens der Familie zu verzichten, falls der
Hilfsarbeiter-Lohn weiterhin höher liegen würde, als die
Ausbildungsvergütung.


Nahles zäumt das Pferd von hinten auf!

Offensichtlich ist es nicht Zielsetzung der Bundesregierung, endlich
wieder für gute, Auskommen sichernde Entlohnung der Menschen und
Familien zu sorgen. Denn dann bräuchte die Bundesarbeitsministerin keine
Angst vor Abwanderung in Hilfsarbeiter-Jobs zu haben. Denn dann könnten
(und würden) die Familien von sich aus Sorge für eine gute Ausbildung
ihrer Kinder tragen. Diese Fürsorge können Familien jedoch nur dann
übernehmen, wenn ein Auskommen mit dem Einkommen gewährleistet ist.
Doch dann würde der Traum der SPD vom "best (aus-)gebildeten Volk zum
niedrigsten Lohn" in Europa platzen!

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